Flisvos-Ein ort der zu ihnen gehört

*Wandern auf Kreta*

 

Wanderung auf Kreta durch die Samaria - Schlucht im Westen Kreta

wandern auf Kreta

2.20 Uhr, ich werde wach – viel zu früh.
3.30 Uhr, ich werde erneut wach – eine Viertelstunde vor dem Wecker.
3.45 Uhr, Aufstehen, Wanderklamotten anziehen, Lunch-Paket in der Hotelküche abholen, Semmeln fürs Frühstück im Bus schmieren.
5.15 Uhr, der Bus holt uns mit den üblichen griechischen ± fünfzehn Minuten Verspätung ab.
Von da an tingeln wir über eine Stunde ca. 15 Hotels auf der Strecke nach Rethymnon ab, um weitere Wanderwillige einzusammeln.
Ab jetzt geht es in etwa 1,5 Stunden rauf aufs Omalos-Plateau. Die Erläuterungen zur Schlucht sowie zur Flora und Fauna der Region durch unsere griechische Reiseleiterin Elisabeth verschlafe ich leider. Immerhin bekomme ich mit, dass unser Schiff abends um 17.30 Uhr ablegt. Das sollten wir nicht verpassen, es ist die letzte Fährverbindung auf dieser Kreta Wanderung an diesem Tag.
Wir stoppen noch kurz im Ort Omalos für eine Tasse griechischen Kaffee in einer typischen „Reisebus-Schnellabfertigungs-Taverne“ und reihen uns brav in die „Kloreihe“ ein. Für die kommenden Scharen an Reisebussen stehen gerade mal vier Toiletten (nicht abschließbar) zur Verfügung. Komisch nur, dass ausgerechnet hier die fünf Minuten Pause auf die Minute genau eingehalten werden und wir Sorge haben, den Bus zur Weiterfahrt zu verpassen.
Auf geht`s zur Schlucht! Am Eingang tummeln sich bereits zahlreiche Reisegruppen aller Nationen (16 Reisebusse, wie wir abends zählen). Um 8.10 Uhr beginnt unser großes Abenteuer. Wir gehen also die ersten Kilometer im Gänsemarsch mit hunderten anderer Touris. Ausgerechnet die ersten drei Kilometer sind die schwersten, da wir auf einem schmalen Geröll-Pfad bereits 800 der 1227 Höhenmeter zurücklegen. Schon hier trennt sich die gemütliche Spazierfreunde-Spreu vom ambitionierten Wanderer-Weizen. Die Sprint-Wahnsinnigen sind längst außer Sichtweite, wir liegen gut im vorderen Mittelfeld, die Schönwetter-Spaziergänger in Stoffturnschuhen und Sandalen fallen nach wenigen hundert Metern zurück.
Vor uns liegen 16 Kilometer Naturerlebnis oder wandern auf Kreta pur. Und wir werden nicht enttäuscht. Der Pfad durch die steilen Felswände, über Geröllabgänge, durch Kiesbette und vorbei an Wasserläufen bietet ein unvergessliches Schauspiel der Naturgewalten. Unsere Reiseleiterin empfiehlt uns, das verlassene Ruinendorf Samaria, das sich ziemlich genau in der Mitte der Schlucht befindet, nicht später als 13.00 Uhr zu verlassen, da man sonst den restlichen Weg nicht mehr rechzeitig bis zur Abfahrt der Fähre schafft. Unser Ziel ist es also, die verlassene Stadt zu erreichen und dort erst Brotzeit zu machen, anders als ein Großteil der Wanderer, die gefühlt jeden angelegten Rastplatz pro Kilometer und im Speziellen die vorgesehenen Raucher-Stationen „mitnehmen“.
Die Ruinen erreichen wir bereits um 11.00 Uhr. Wir sind stolz, dass wir so gut in der Zeit liegen und gönnen uns eine halbe Stunde Picknick. Leider verliert die Wanderung ein wenig an Reiz, da man während der gesamten Tour von Menschenmassen umgeben ist. Am allermeisten nerven die Steckerl-Geher, die mit ihren Nordic Walking- und Ski-Stöcken nur im Weg umgehen und die Steckerl dabei auf dem unwegsamen Gelände mit bisweilen vom Wasser glatt gespülten Felsen nicht einmal sinnvoll einsetzen können.

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Nach 5,5 Stunden erreichen wir die berühmte „Eiserne Pforte“, die schmalste Stelle der Klamm, an der die 300 Meter hohen Felswände bis auf drei Meter eng zusammen rücken.
Drei Meter behaupten die Reiseprofis, uns kommt die Stelle breiter vor, wodurch wir erst auf den zweiten Blick merken, dass wir berühmtes Terrain betreten. Das hohe Foto-Aufkommen der Mitwanderer ist allerdings ein klares Indiz dafür. Ab hier geht es noch einige hundert Meter zum Ausgang der Schlucht, wo tatsächlich noch einmal unsere Tickets kontrolliert werden.
Die letzte halbe Stunde führt ein geradliniger Weg ins kleine Fischerdorf Agia Roumeli, das nur per Schiff erreichbar ist, da es rundum von steilen zerklüfteten Bergen eingekeilt ist.
Völlig erschöpft, zufrieden und vor Stolz trotzend fallen wir um 14.30 Uhr in unsere Treffpunkt-Taverne ein und bestellen erstmal große eisgekühlte Getränke und leckeres Essen. Von hier aus haben wir einen guten Blick auf alle, die nach uns aus der Schlucht kommen. Fit sieht hier keiner mehr aus. Die ersten Eisbeutel werden beim Wirt geordert. Nach dem Essen haben wir bis zur Abfahrt der Fähre noch eine gute Stunde, um im kühlen Meer eine Abfrischung zu genießen. Wir begeben uns an den kleinen Kiesstrand – zusammen mit hunderten anderer müder Wanderer – um unsere müden Gliedmaßen im erfrischenden Nass neues Leben einzuhauchen. Das Warten auf die Fähre lässt sich damit vergeht damit im Nu.
Die Fähre gleicht einem Flüchtlingstransport. 16 Reisebusse stehen an unserem Zielort Chora Sfakion zum Abtransport parat und alle Insassen befinden sich eingepfercht auf diesem Schiff in Richtung des kleinen Dörfchens. Das TUI-Reisebüchlein beschreibt hier eine „wildromantische Bootsüberfahrt“. Wild trifft es schon recht gut. Immerhin wartet die Südküste noch mit einem einzigartigen Panorama auf. Die über 1.000m hohen Bergmassive steigen steil aus dem Meer empor, hier und da eine einsame Ruine oder Kapelle.
Der Weg von der Fähre zum Busparkplatz ähnelt dem Exodus einer Herde Lemminge. Auf dem Parkplatz bekommen wir das volle Ausmaß zu Gesicht – 16 Reisebusse an der Zahl, wir teilten uns dieses wunderbare Erlebnis mit ca. 900 Urlaubern aus aller Welt. Die Rückfahrt mit dem Reisebus ist beschwerlich wegen der dicken Füße, aber Elisabeth, die Reiseleiterin, gelingt es, uns mit Anekdoten über die Insel und Witzen bei Laune zu halten. Kurz von 21.00 Uhr fallen wir zufrieden und hungrig über die Reste des Hotelbuffets her. Resümee: Wir haben in 6,5 Stunden die längste begehbare Schlucht Europas bezwungen und durften dabei ein unvergessliches Naturspektakel sowie den typischen Charme eines Tourismus-Ausfluges erleben. Wir dokumentierten unsere Eindrücke am heutigen Tag auf ca. 370 Fotos.

Copyright: Sandra Ilmberger,

Nach Ihrer Rückkehr nach Flisvos können Sie den restlichen Tag beim Schwimmen oder in einem unserer Liegestühle verbringen und sich von Ihrer Wanderreise erholen.

Einen ausführlichen Wanderführer über "Wandern auf Kreta" finden Sie in unserem Bücherregal

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